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Peinlich
Wenn ich an den Landesparteitag denke, der jetzt am Wochenende in Langenhagen stattgefunden hatte, fehlen mir ehrlich gesagt die Worte. Was dort abgelaufen ist, kann ich nur als "peinlich" bezeichnen.
Zum einen habe ich den Eindruck erhalten, dass vielen der anwesenden Piraten gar nicht bewusst war, über was sie abgestimmt haben. Die Mehrheit war sicherlich unvorbereitet und auch erschienen mir einige als desinteressiert. Wie kann ich es mir sonst erklären, dass auf einem Landesparteitag gezockt wird? Auch hatte ich im Gespräch mit vielen der Teilnehmer und Kandidaten den Eindruck, dass diese sich der Tragweite ihrer Entscheidungen nicht im Klaren waren.
So wurde eine Satzungsänderung beschlossen, bei der ich persönlich rechtliche Bedenken habe. Ich bin kein Jurist, doch ich halte es für wichtig, dass über eine solche Satzungsänderung, die in die Privatsphäre des Einzelnen eingreift, ein juristisches OK eingeholt wird, bevor man diese Laien zur Abstimmung vorlegt.
In Gesprächen mit den Einreichenden erfuhr ich, dass diese sich die Ausführung des Satzungsänderungstextes anderes vorstellten, als man es aus dem Satzungsänderungstext herauslesen konnte. Schade, dass dies nicht vor dem Landesparteitag diskutiert wurde, sondern auf dem Landesparteitag, denn so gab es kaum Handlungsspielraum, um offene Fragen zu klären.
Ich muss dazu sagen, dass ich generell für die Idee, die hinter der Satzungsänderung steht, bin. Jedoch befürchte ich, dass sich aus der beschlossenen Satzungsänderung heraus negative Presse entwickeln kann, denn wenn nun einer der Piraten sich an den Datenschutzbeauftragten oder ein Gericht wendet, dann wird dies öffentlich werden und ich persönlich traue den jetzt gewählten Personen nicht zu, dass sie die Kniffe im Umgang mit der Presse und auch mit den anderen Parteien beherrschen, um hier das Piratenschiff auf dem richtigen Kurs zu halten.
Dem ganzen wurde jedoch noch die Krone aufgesetzt, indem man die Satzungsänderung am nächsten Tag nochmals thematisierte und nochmals darüber abstimmte - jedoch weiterhin ohne ein juristisches OK eingeholt zu haben. Ein Verhalten, das ich als undemokratisch empfinde.
Zudem fehlen mir bei vielen der im Vorstand sitzenden Personen der Weitblick, Reife und der Hauch von Professionalität. Die Piratenpartei ist eine Partei und nicht AStA oder eine SMV. Es geht darum politisch einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ich finde es daher sehr schade, dass die Mehrheit der Wähler die politischen Erfahrungen (aus einer anderen Partei) eines der Kandidaten für den Vorstand, nicht nutzen wollte. Ich persönlich denke, dass hier nicht der Kopf entschied, sondern der Bauch und dies halte ich für fragwürdig. Für was benötige man Transparenz, wenn man mit dem Bauch entscheidet?
Die Piratenpartei sollte IMHO kein Spielplatz für planlose technische Spielereien sein. Dem Einsatz von Technik stehe ich nicht entgegen, doch sollte man dies nicht übers Knie brechen.
Doch das Beste kam zum Schluss ... da der Raum nur bis 18 Uhr reserviert war, standen um 18 Uhr die nächsten auf der Matte - ersichtlich unerfreut. Unerfreulich war somit auch der Schluss des Landesparteitages, denn zwar wurden bereits die Beisitzer gewählt, doch kam es nicht mehr zur Wahl des Schiedsgericht und neuer Kassenprüfer.
Vor diesem Landesparteitag der Piraten in Niedersachsen war ich fest entschlossen meine ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich der Bildungspolitik auf europäischer Ebene aufzugeben und mein Wissen, Ideen und vor allem meine Zeit für die Piratenpartei einzusetzen. Davon nehme ich nun Abstand.
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Kommentare
Landesparteitag
Es gab eine exzellente Vorbereitung in Oldenburg.
Ein Landesparteitag ist souverän, kann damit formal alles abstimmen, was er will. Auch bei Juristen gilt 4 Juristen 4 Meinungen. Ein juristisches Ok kann es daher nicht geben, lediglich eine Meinung. Was rechtlich unwirksam ist, das ist sowieso rechtlich unwirksam, und kann beim nächsten mal geändert werden.
Re: Landesparteitag
Es liegt mir fern die Arbeit der Oldenburger zu kritisieren! Sie haben eine gute Idee ausgearbeitet und in Textform gefasst.
Es war einfach schade, dass der bisherige Vorstand (und damit meine ich den gesamten Vorstand und nicht nur den Vorsitzenden) zu diesem Änderungsvorschlag wohl keinen Rechtsrat einholte, obwohl dieser - so mein Eindruck - rechtliche und umsetzungstechnische Bedenken hatte.
Die Meinung eines Juristen ist anders zu gewichten, als die eines Nicht-Juristen.
Ich könnte mir vorstellen,
Ich könnte mir vorstellen, dass bei dieser Satzungsänderung der Vorstand nicht um Traum daran dachte, dass sich tatsächlich eine 2/3 Mehrheit für so eine absurde Satzungsänderung, die dem Grundsatz des "Pirat Seins" widerspricht, finden würde.
Raumreservierung
Moin,
der Raum war reserviert mit der Option auf kurzfristige Verlängerung. Das Hotel hatte die überschneidende Raumbuchung durch den Karnevals-/Schützenverein (irgendwas mit "rot-gelb") nicht registriert und war dann mit der Situation überfordert. Angesichts der draußen stehenden kleinen Mädchen mit traurigen Augen und der dazugehörigen Erziehungsberechtigten hätte ein Weitermachen wohl mit einer Saalschlacht geendet.
Das ist extremst dumm gelaufen, aber das (ausnahmsweise?) mal nicht an den Piraten.
Ciao, Dirk (Versammlungsleiter)
Re: Raumreservierung
Hallo Dirk,
vielen Dank für Deine Richtigstellung. Dies wurde so m.W.n. nicht auf dem LPT kommuniziert, es wäre meines Erachtens daher gut, dies nochmals offiziell richtig zu stellen.
Grüße, Inés
Dein Amt
Liebe "piratenbraut",
deine Stimmung kann ich durchaus nachvollziehen.
Ein Rückzug ist doch aber genau der falsche Schritt. Da du scheinbar Ahnung hast von der Materie, wärst doch du dafür da, um nach "Vorne" zu gehen und das Ruder in die Hand zu nehmen.
Das ist Demokratie!
Was meinst du?
Rückzug
Hallo,
zum einen kann ich deine Frustration extrem gut nachvollziehen.
Zum anderen aber denke ich, dass solche Schwierigkeiten eigentlich unvermeidlich waren und dass sich jetzt durch unsere Art damit umzugehen entscheiden wird, ob die hinter der Piratenpartei stehende Idee tragfähig ist oder nicht.
Daher halte ich auch einen Rückzug für genau das falsche Signal, welches nur zum weiteren Scheitern beitragen kann. Wichtig wäre, die bestehenden Missstände offensiv anzusprechen und hart daran zu arbeiten sie abzustellen.
LG
Gerald
Hallo Christian, hallo
Hallo Christian, hallo Gerald,
vielen Dank für Euer Feedback. Klar, den Kopf in den Sand zu stecken, das hilft weder der Partei, noch den Mitgliedern, noch den Wählern.
Ich bin einfach enttäuscht, dass ich erleben musste, dass die Erfahrung der Einzelnen nicht zu zählen schien, sondern nach Bekanntheitsgrad abgestimmt wurde. Dies war eigentlich etwas was mich bisher davon abgehalten hatte in eine Partei einzutreten (neben der Tatsache, dass mir bisher keine Partei so aus der Seele gesprochen hat, wie die Piratenpartei).
Ich werde darüber noch einige Nächte schlafen müssen ... doch eines habe ich aufgrund Eurer Reaktion klar gesehen, meine Reaktion heute morgen, nämlich die Flinte ins Korn zu werfen, war klar übereilt. Somit nochmals vielen Dank für Euer Feedback.
LG
Inés
Ob der Bekanntheitsgrad, oder
Ob der Bekanntheitsgrad, oder nicht doch eher die persönliche Vorstellung entscheidend war - eines bleibt vom LPT zurück: Die Klarheit, dass die Piratenpartei zu schnell gewachsen ist, als das man sie als "Einheit" bezeichnen kann. DAS - und nicht technische Spielerein - ist die Aufgabe des neuen Vorstandes.
Persönlich hätte ich auch lieber auf die Erfahrungen des ehem. CDU-Lehrlings gesetzt, im Bezug auf Organisation der Piratenpartei. Auch weil ich aus SPD Zeiten weiss, wie sinnvoll diese Wahl gewesen wäre. Ich "fürchte" wir brauchen in den nächsten 12 Monaten viele Menschen die sich eigenverantwortlich engangieren und zusammen einen Konsenz finden - ich traue dem neuen Vorstandsvorsitzenden es irgendwie nicht zu, die Piraten politisch Themenbezogen aufzustellen (kann seine persönliche Vorstellung gewesen sein, oder die Art seiner Wortmeldungen).